Millionenbaustelle am Ufer der Oste

8 Mrz von Seidel

Millionenbaustelle am Ufer der Oste

Lange haben die Planungen gedauert, genauer ge­sagt fast sieben Jahre. Vor drei Mona­ten sind die Arbeiter der Firma Hahn angerückt, um ein neues Schöpfwerk an der Einmündung des Burgbeck­kanals in die Oste zu bauen. Höchste Zeit findet nicht nur der Deichverband Kehdingen-Oste als Bauherr.

Möglich geworden ist der Bau des Schöpfwerks, weil es dem neuen Deich im Weg steht. Auf einer Länge von vier Kilometern, begin­nend an der B 73 bis zum Schöpf­werk liegt der Deich an vielen Stellen schar. Das bedeutet, die Oste hat sich bis an den Deichfuß (siehe Luftbild) herangefressen. Ein Sicherheitsrisiko, da die Standfestigkeit des Schutzwalls nur noch bedingt gegeben ist. Au­ßerdem gibt es kaum Zuwegun­gen, sodass im Katastrophenfall dieser Deichabschnitt nur sehr schwer zu verteidigen wäre. Steile Böschungsneigungen und stellen­weises Unterbestick stellen eine weitere potenzielle Gefahr dar. Alles Gründe, die den Deichver­band Kehdingen-Oste bereits 2014 veranlassten, in die Planun­gen für einen Neubau einzustei­gen, der dann einen Mindestab­stand von 25 Metern zur Oste auf­ weisen wird.

Sanierung nicht lohnenswert

Mit in den Fokus wurde dabei das Mündungsschöpfwerk am Burg­beckkanal genommen. Eine zu­nächst angedachte Grundsanie­rung des bestehenden Schöpfwerkes wurde schnell verworfen. Das Gebäude hat über 90 Jahre auf dem Buckel. Für eine Demontage und Überholung der Pumpen hät­te mit viel Aufwand das Dach ent­fernt werden müssen. Außerdem hat sich die Abpumptiefe im Lau­fe der Zeit derart verringert, dass ein Einsatz der größten Pumpe mit einer Förderleistung mit 5,5 Kubikmeter/Sekunde nur noch eingeschränkt im Handbetrieb möglich ist.

Fischdurchgängigkeit

Das neue Schöpfwerk wird mit drei Pumpen – eine davon fisch­freundlich – ausgestattet. Die Gesamtförderleistung beträgt dann 10 Kubikmeter/Sekunde. Zurzeit werden 24 Meter lange Spund­ bohlen in den Boden gerammt – insgesamt fast 500 Tonnen Stahl, die zusätzlich noch mit einer Rückverankerung versehen wer­den, da der Untergrund nicht be­sonders tragfähig ist. Im An­schluss wird die Baugrube für die Sohle des Schöpfwerks auf fünf Meter unterhalb Normalhöhen­ null ausgekoffert. Das neue Ge­bäude wird ein abnehmbares Dach erhalten, sodass eine Wartung der Pumpen möglich sein wird. Parallel wird bereits der so­ genannte Mahlbusen ausgebag­gert. Das ist jene binnendeichs vor den Pumpen gelegene Fläche, in der sich immer ausreichend Wasser aus dem Burgbeckkanal sammeln soll, damit kontinuier­lich gepumpt werden kann. Dazu müssen rund 100 000 Kubikmeter Boden bis zu einer Tiefe von 3,50 Metern entnommen werden, die zum Teil in den späteren Deich­neubau eingebracht werden. Ab Mitte April wird der alte Deich ge­öffnet und die Arbeiten am Aus­laufbauwerk zur Oste hin begin­nen. Aufgrund dieser kombinier­ten Herangehensweise soll das neue Schöpfwerk Ende dieses Jahres einsatzfähig sein.

Der Deichverband Kehdingen­ Oste wird das rund 5,7 Millionen Euro teure Bauwerk dann an den für die Entwässerung zuständigen Burgbeck Meliorationsverband übergeben. Er ist mit einer Ver­bandsfläche von 2800 Hektar und 650 Mitgliedern einer der größten Wasser- und Bodenverbände an der Oste. Betrieben und gewartet wird das Schöpfwerk später vom Unterhaltungsverband Untere Oste mit Sitz in Hemmoor.

Verbandsge­schäftsführer Pe­ter Schley, Ober­deichgraf Dr. Al­bert Boehlke, Planer Björn Schermer, Jörg Riedel von der Firma Hahn, Deichgraf Ri­chard Schlich­ting und UHV­ Geschäftsführer Thorsten Ratzke (von links) infor­mieren sich über den Stand der
Bauarbeiten .

Text: Thomas Schult